Geschäftsbericht 2010 / Interview Manfred Lautenschläger und Uwe Schroeder-Wildberg zu 40 Jahre MLP

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40 Jahre MLP – Interview

 

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„Ein höchstpersönliches Geschäft“

Dr. h.c. Manfred Lautenschläger
(MLP-Gründer und stellv. Vorsitzender
des Aufsichtsrats) und Uwe Schroeder-Wildberg
(Vorstandsvorsitzender)


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Interview: Melanie Contoli und Stefan Wimmer
Fotografie: Sabine Kress

 

Wo steht MLP im stolzen Alter von 40 Jahren und was bringt die Zukunft? Gründer Manfred Lautenschläger und Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg über die wilden ersten Unternehmensjahre, die Überwindung der Pubertät und die Herausforderungen in der Finanzberatung.

 

Herr Lautenschläger, hätten Sie 1971 bei der Gründung von MLP gedacht, dass Ihre Idee vierzig Jahre trägt?


Manfred Lautenschläger: Natürlich nicht. Für mich war die Gründung des Unternehmens ein Abenteuer. Aber mein Partner Eicke Marschollek und ich waren von der Idee einer unabhängigen Finanzberatung für Akademiker überzeugt – und sind damit in eine Marktlücke gestoßen. Es hat uns von Beginn an Spaß gemacht, Menschen zu beraten. Dass aus unserer Zwei-Mann-Firma ein börsennotiertes Unternehmen werden würde, hätte ich aber nie gedacht.

Wie kann man sich die Anfänge vorstellen?


Lautenschläger: Damals war die Kontaktaufnahme zu Kunden wahnsinnig schwierig, es gab keine E-Mails und in unserer ersten Zielgruppe – Juristen im Referendariat – hatten nur wenige überhaupt ein eigenes Telefon. Deshalb kündigten wir in einem Brief unseren Besuch an und fuhren mit meinem Käfer, einem hergerichteten Unfallwagen, einfach los. Ohne den Käfer wäre unser Geschäft also damals undenkbar gewesen.

 

Uwe Schroeder-Wildberg: Mein erstes Auto war übrigens auch ein Käfer, den hatte ich für zweihundert Mark gekauft. Er symbolisiert für mich Beständigkeit und Zuverlässigkeit – ein tolles Gefährt.

Stichwort Beständigkeit: MLP hat wie kaum ein anderes Unternehmen die Geschichte der Finanzberatung in Deutschland geprägt.
Wie erklären Sie sich den Erfolg?


Schroeder-Wildberg: Die Erfolgsfaktoren von MLP sind heute noch die gleichen wie damals: klare Fokussierung auf eine Zielgruppe, die Unabhängigkeit von Produktpartnern und eine hohe Qualität in der Beratung. Meist haben unsere Berater dasselbe Fach studiert wie die Kunden. Daraus resultiert ein hohes Verständnis für deren Wünsche und Bedürfnisse. MLP ging es zudem nie darum, wie Banken ein „Produkt der Woche“ zu verkaufen, sondern immer darum, den Bedarf der Kunden zu analysieren und individuelle Lösungen zu entwickeln.

 

Lautenschläger: Finanzberatung ist ein höchstpersönliches Geschäft. Deshalb spielt auch die Persönlichkeit unserer Berater eine entscheidende Rolle. Sie müssen über den Tellerrand blicken und mit ihren Kunden auf Augenhöhe sprechen können. Nur dann akzeptiert ein Kunde auch kritische Aussagen, etwa zur bisherigen Vorsorgeplanung. Zum Erfolg trägt aber sicherlich auch unser langfristiger Ansatz bei. MLP betreut Kunden vom Studium bis ins Rentenalter. Das mag sich einfach anhören, gelebt wird diese Beratungsphilosophie aber nur bei MLP. Nach uns kamen in den vergangenen Jahrzehnten viele mit verdammt ähnlichen Geschäftsmodellen. Die meisten spielen keine Rolle mehr oder sind verschwunden.

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MLP ist nicht nur den Kinderschuhen

Was würden Sie sagen, an welchem Punkt steht MLP heute?


Schroeder-Wildberg: Nach wie vor bildet die Gründungsidee die Basis, aber wir haben MLP deutlich weiterentwickelt. Heute sind wir ein breit aufgestelltes Beratungshaus für Privat- und Firmenkunden ebenso für institutionelle Investoren, etwa Altersvorsorgeeinrichtungen, Stiftungen oder kirchliche Verbände. Wir sind also längst nicht mehr nur auf die Beratung von Privatkunden spezialisiert. Beispielsweise spielen wir mittlerweile auch in der betrieblichen Altersversorgung in der Champions League. Mit der mehrheitlichen Übernahme der Feri Finance AG haben wir daneben einen erfahrenen und renommierten Partner im Vermögensmanagement gewonnen. Kurzum: Ich kenne keinen Anbieter in Deutschland, der seinen Kunden ein nur annähernd so umfangreiches Beratungsangebot bietet wie MLP.

 

Lautenschläger: MLP hat außerdem eine Vollbanklizenz erworben, wir unterliegen also strengsten regulatorischen Anforderungen. Gleichzeitig haben wir uns als Makler registrieren lassen. Im Klartext heißt das: MLP handelt nicht im Auftrag eines oder mehrerer Versicherer, sondern wir wählen sozusagen als Anwalt des Kunden das jeweils passende Produkt aus dem breiten Marktangebot aus. Aber ich möchte auf Ihre Frage noch mit einem Bild antworten: MLP ist in den vergangenen Jahren nicht nur den Kinderschuhen entwachsen, sondern hat nach vierzig Unternehmensjahren auch die Pubertät hinter sich gelassen.

 

Schroeder-Wildberg: Entsprechend groß sind die Herausforderungen. Die Anlagewelt ist deutlich komplexer geworden, die Produktvielfalt enorm gestiegen und die Schwankungen an den Kapitalmärkten haben stark zugenommen. Inzwischen haben wir die zweite Finanzkrise innerhalb eines Jahrzehnts zu bewältigen, das sorgt natürlich für Verunsicherung bei den Kunden. Unsere Aufgabe ist es, Antworten auf die komplexen Fragestellungen dieser Zeit – beispielsweise zu den Folgen der Währungsturbulenzen – zu geben und den Kunden gerade in einem schwierigen Umfeld intensiv zu betreuen.

Wie packt MLP diese Themen an?


Schroeder-Wildberg: Das A und O ist die Aus- und Weiterbildung unserer Berater, die deutlich über das gesetzlich vorgeschriebene Niveau hinausgeht. Beispielsweise ermöglichen wir unseren Beratern an unserer Corporate University eine Ausbildung zum Certified Financial Planner – dabei handelt es sich um den höchsten international anerkannten Abschluss für Finanzberater. Außerdem erhalten unsere Berater eine gezielte Unterstützung durch Experten aus unserer Unternehmenszentrale. So hat sich der Produktauswahlprozess bei MLP über die Jahrzehnte zu einem einzigartigen und höchstprofessionellen System entwickelt. Dabei bewerten wir auch die Servicequalität unserer Produktpartner und entwickeln Produkte gemeinsam mit ihnen weiter.

 

Lautenschläger: Auf diesem Gebiet sind die Berater unsere besten Marktforscher, weil sie den Draht zum Kunden haben. Diese Erfahrungen können wir direkt in die Gespräche mit unseren Produktpartnern einfließen lassen.


Wo liegen denn aus Ihrer Sicht die künftigen Herausforderungen?

 

Schroeder-Wildberg: Das Thema Demografie wird unsere Gesellschaft und natürlich auch unseren Beratungsalltag in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in jeder Hinsicht entscheidend prägen. Wir werden einen enormen Bevölkerungsschwund erleben mit bislang noch schwer vorstellbaren Folgen für die Gesellschaft.

 

Lautenschläger: Unsere Sozialsysteme stehen vor einer harten Prüfung. Zu Adenauers Rentenreform 1957 finanzierten noch fünf Arbeitnehmer einen Rentner, heute sind es nicht mal zwei und im Jahr 2050 wird das Verhältnis bei eins zu eins stehen. Hinzu kommt: Heute haben wir einen Renteneintritt von 65 bei einer Lebenserwartung von rund 80 Jahren. Die Rente mit 67 ist also dringend notwendig, zumal die Menschen ja in der Regel dank Medizin, besserer Erkenntnisse über Ernährung und Lebenswandel länger vital bleiben.

 

Schroeder-Wildberg: Viele wollen im Rentenalter reisen oder Sport treiben und möglichst wenig von Ihrem gewohnten Lebensstandard einbüßen. Manchmal wollen sie noch einmal etwas völlig Neues schaffen oder ihre Erfahrung im Alter weitergeben. Solche Träume lassen sich jedoch nur mit einem soliden Finanzpolster verwirklichen. Bei vielen jungen Menschen beobachten wir allerdings mit Sorge, dass sie sich mit langfristigen Vorsorgeverträgen schwer tun – obwohl sie sich der Notwendigkeit einer ergänzenden Vorsorge bewusst sind. Das wird in Zukunft nicht nur ein persönliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Diese Herausforderung gilt es, gemeinsam mit der Politik zu meistern.

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Unser Anspruch ist es, immer an der Spitze des Marktes zu stehen

Apropos Politik, aus Berlin und Brüssel kommen derzeit zahlreiche Gesetzesinitiativen zur Verbesserung des Anlegerschutzes. Wie steht MLP dazu?

 

Schroeder-Wildberg: Das Ziel der Politik, die Beratungsqualität im Markt zu erhöhen, ist absolut richtig. Wir unterstützen sie dabei und sind in vielen Feldern Vorreiter, sei es in Fragen der Transparenz oder bei der Dokumentation der Beratung. Um im Sinne der Verbraucher wirklich etwas zu bewegen, wünsche ich mir aber noch deutlich mehr Mut zur Veränderung. Wir brauchen in Deutschland ein einheitliches Beratungsrecht und die Einführung gesetzlich geschützter Berufsbilder mit hohen Anforderungen an die Ausbildung.

 

Lautenschläger: Ein gut ausgebildeter Finanzberater nimmt eine enorm wichtige Rolle für den Kunden ein. Ein MLP-Berater steht heute auf einer Stufe mit einem Rechtsanwalt oder Steuerberater. Deshalb ist es wichtig, dass der Gesetzgeber den Beruf des unabhängigen Finanzberaters schützt. Nur dann kann ein Kunde die Unterschiede zu einem einfachen Produktvermittler auf einen Blick erkennen.

Vollbanklizenz, betriebliche Altersvorsorge, professionelles Vermögensmanagement – MLP hat in den vergangenen Jahren viel erreicht. Steht noch etwas auf der Agenda?

 

Lautenschläger: Um im Bild zu bleiben: Nachdem wir die Pubertät hinter uns gelassen haben, stehen die besten Jahre erst noch an. Wir haben eine Menge vor und durch die Weiterentwicklung der vergangenen Jahre eine hervorragende Basis, auf der wir aufsetzen. Ich bin mir sicher, dass MLP noch viele Jubiläen feiern und dabei auf erfolgreiche Jahre zurückblicken wird.

 

Schroeder-Wildberg: Stillstand bedeutet bekanntlich Rückschritt, und unser Anspruch ist es, immer an der Spitze des Marktes zu stehen. Wir wollen jeden Tag noch ein bisschen besser werden und bereiten uns frühzeitig auf die künftigen Herausforderungen in der Finanzberatung vor.

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