AKTIONÄRSBRIEF
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
wir blicken zurück auf ein ereignisreiches Jahr. Es begann mit der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Nachkriegszeit und dennoch endete es mit dem höchsten Betriebsergebnis, das wir je in unserer Geschichte erzielt haben. Das unterstreicht eindrucksvoll die Solidität und Belastbarkeit unseres kundengetragenen Geschäftsmodells. In summa hat uns das Jahr 2009 viel abverlangt. Es galt, eine Vielzahl unternehmerischer, bankbetrieblicher und aufsichtsrechtlicher Herausforderungen zu schultern.
Unser Wachstums- und Optimierungsprogramm „FIT_09“, das wir Ende 2007 auf den Weg gebracht haben, haben wir konsequent umgesetzt und vollständig abgeschlossen. Mit den neuen Einheiten Wealth Management und Family Office sowie durch den weiteren Ausbau des Private Banking unterstreichen wir unseren Anspruch, uns nicht nur als einer der führenden Mittelstandsfinanzierer, sondern auch als eine der ersten Adressen für anspruchsvolle Privatkunden zu positionieren.
Die Zentralisierung der Kreditanalyse hat zu einer deutlichen Qualitätsverbesserung bei Bearbeitung und Risikomanagement geführt. Hierdurch tragen wir der zunehmenden Komplexität interner und externer Anforderungen an das Kreditgeschäft Rechnung. Daneben wurde das Branchen-Know-how gebündelt und eine verbesserte Unterstützung unserer Firmenkundenbetreuer erreicht. Der ebenfalls neu eingerichtete Zentrale Kontoservice führt zu einer Verbesserung von Servicequalität und Prozessgeschwindigkeit.
Besonders bemerkenswert war der Erfolg unserer Kapitalerhöhung. Die vollständige Platzierung der insgesamt 2.080.000 jungen Aktien bei privaten und Institutionellen Investoren belegt, dass unsere NATIONAL-BANK auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als attraktives Investment gesehen wird. Dies umso mehr, als es gelungen ist, die Anzahl unserer Aktionäre auf über 4.000 zu steigern. Das entspricht einem Zuwachs von rund 20 Prozent. Wir danken unseren Eigentümern für das darin zum Ausdruck kommende Vertrauen. Es wird auch zukünftig die Richtschnur unseres Handelns sein. Mit knapp 60 Mio. € an zusätzlichen Eigenmitteln können wir die sich abzeichnenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen bereits vorwegnehmen und zugleich die Basis für die Fortsetzung unseres soliden Wachstums legen.
Erstmals haben wir uns systematisch unabhängigen Zertifizierungen gestellt und auf Anhieb eine Reihe attraktiver Auszeichnungen erhalten. Hierzu zählen unter anderen „Deutschlands kundenorientierteste Dienstleister“, „Deutschlands Kundenchampions“ und – im Hinblick auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – „TOP Arbeitgeber Deutschland“. Auch unsere Finanzberichterstattung gilt als vorbildlich.
Der Erfolg dieser Auszeichnungen spiegelt sich in dem überaus erfreulichen Ergebnis unserer Bank wider. Erstmals haben wir Nettoerträge von knapp 150 Mio. € erwirtschaftet. Ein um knapp 20 Prozent auf 110 Mio. € gestiegener Zinsüberschuss sowie ein stabiler Provisionsüberschuss von fast 40 Mio. € sprechen für sich. Kosten und Risikovorsorge haben sich planmäßig entwickelt. Die Liquidität war zu jedem Zeitpunkt exzellent.
Das überaus erfreuliche Ergebnis wird in der außerordentlichen Rechnung weiterhin von Wertkorrekturen auf verbriefte und zum Teil mit Sicherheiten unterlegte Kreditforderungen belastet. Hier bleiben wir als eines der ganz wenigen Institute Deutschlands bei unserer konservativen Bewertung und Bilanzierung nach dem strengen Niederstwertprinzip, obwohl die Investments im Anlagevermögen der Bank verbucht sind.
Als Folge dessen weisen wir einen Jahresüberschuss in Höhe von 17,4 Mio. € aus. Das entspricht einem Anstieg von gut 45 Prozent.
Wir schlagen der Hauptversammlung daher die Zahlung einer Dividende in Höhe von 1,00 € je alte Aktie und 0,50 € je junge Aktie vor. Das gute Ergebnis hätte auch eine höhere Dividende gerechtfertigt. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass es richtiger ist, die Reserven zu stärken. Je besser die Risikotragfähigkeit, desto robuster die Perspektiven für unsere NATIONAL-BANK.
Das gute Ergebnis ist kein Grund, sich auszuruhen. Im Gegenteil. Unmittelbar nach erfolgreichem Abschluss von „FIT_09“ haben wir im vergangenen Herbst ein neues anspruchsvolles Wachstumsprogramm auf den Weg gebracht. Unter der Überschrift „Winning 2012“ sollen innerhalb der nächsten drei Jahre folgende Ziele erreicht werden:
- Eigenkapitalrendite (Return on Equity) vor Steuern 15-20 %
- Kosten-Ertrags-Relation (Cost Income Ratio) 60-65 %
- Eigenmittelquote (Capital Ratio) 10-12 %
- Verhältnis von Ausleihungen zu Einlagen (Loan to Deposit Ratio) < 1
Die Verengung auf ein singuläres Renditeziel halten wir nicht für sinnvoll. Aus diesem Grund haben wir die vier Korridore definiert, innerhalb derer sich unsere Bank zukünftig bewegen soll. Ihr Zusammenwirken unterstreicht die Nachhaltigkeit unseres Handelns. Dabei stehen die Vorgaben unter der Prämisse keiner neuerlichen Marktverwerfungen, eines normalisierten Zinsniveaus, stabiler Bewertungen, insbesondere unserer verbrieften Kreditforderungen, im Vergleich zur Vorkrisenzeit erhöhter Margen sowie eines moderaten Wirtschaftswachstums.
Wir sind zuversichtlich, aber mit zurückhaltenden Erwartungen in das neue Geschäftsjahr gegangen. Die weiterhin schwierige Lage der Wirtschaft, eine Reihe nach wie vor instabiler und allein kaum refinanzierungsfähiger Finanzinstitute sowie die substantiellen Schwierigkeiten staatlicher und kommunaler Haushalte beschreiben nur unzureichend die schwierigen Rahmenbedingungen.
Trotz aller Herausforderungen – wir stehen zu Beginn unseres 90. Lebensjahres. Für uns gilt: Wir sind zukunftsfähig und -willig. 1921 in Berlin gegründet sind wir seit 1922 in Essen zu Hause. Es ist unsere Heimat. In den knapp 90 Jahren sind wir stets mit unseren Kunden gewachsen – bescheiden und mit Augenmaß. Investment Banking haben wir nie betrieben, Boni haben wir nie gezahlt. Das soll auch in Zukunft so bleiben.
Gemeinsam mit Ihnen, unseren Eigentümern, wollen wir auch weiterhin engagiert die Zukunft unserer Bank gestalten. Daher lade ich Sie – auch im Namen meiner Kollegen im Vorstand der Bank – schon heute herzlich zu unserer Hauptversammlung am 4. Mai 2010 in die Philharmonie Essen ein und freue mich auf Ihr Kommen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Thomas A. Lange
Sprecher des Vorstandes
NATIONAL-BANK Aktiengesellschaft
Essen, im März 2010

