AN UNSERE AKTIONÄRE
Aktionärsbrief
Dr. Thomas A. Lange
Vorsitzender des Vorstandes
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
erneut liegt ein ereignisreiches Jahr hinter uns. Erneut hat es uns vieles abverlangt – unternehmerisch und aufsichtsrechtlich. Zwar hat sich die Wirtschaft nach den Verwerfungen des Jahres 2009 erfreulich stabilisiert, jedoch hat uns die europäische Staatsschuldenkrise vor neue Herausforderungen gestellt. Der Euro kam nachhaltig unter Druck, und es hat sich gezeigt, dass die Währungsunion dringend einer Reform bedarf. Dabei ist der EU-Krisenfonds ein Schritt in die richtige Richtung. In die falsche Richtung dagegen geht der Ankauf europäischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank.
Mit den neuen unter Basel III zusammengefassten aufsichtsrechtlichen Vorgaben wurden die Kapitalanforderungen für die Finanzinstitute weltweit neu definiert. Zugleich wurde die Bankenabgabe auf den Weg gebracht. Hinzu kam eine Vielzahl weiterer regulatorischer Vorgaben. Zwischenzeitlich hat die aufsichtsrechtliche Regelungsdichte allerdings einen Grad erreicht, der sich für die Kreditinstitute zunehmend als Belastung erweist.
In diesem Umfeld hat unsere NATIONAL-BANK erneut eindrucksvoll ihre Stabilität und Solidität unter Beweis gestellt. In unserem neunzigsten Geschäftsjahr haben wir mit 152 Mio. € die höchsten Nettoerträge unserer Geschichte erwirtschaftet. Mit 34,7 Mio. € erreichen wir das höchste Betriebsergebnis unserer Geschichte. Damit ist es uns gelungen, das schon außerordentlich gute Vorjahresergebnis nochmals zu übertreffen.
Ursächlich für das gute Ergebnis sind unsere zu Beginn der Finanzkrise getroffenen Entscheidungen, neben der seit Jahrzehnten unverändert konsequenten Kreditbereitstellung für den Mittelstand an Rhein und Ruhr, das kapitalschonende Provisionsgeschäft gezielt auszubauen. Und in der Tat haben sich unsere neuen Einheiten Wealth Management und Family Office sehr erfreulich entwickelt. Auch die Neuausrichtung des Private Banking trägt Früchte. Dasselbe gilt für das Internationale Geschäft. Fulminant ist der Zuwachs im Zins- und Währungsmanagement unserer Firmenkunden. Mit 71,6 Prozent ist es der größte Ertragsanstieg in der gesamten Bank.
Und auch unsere Entscheidung, die verbrieften und zum Teil mit Sicherheiten unterlegten Kreditforderungen konsequent nach dem strengen Niederstwertprinzip zu erfassen, obwohl sie im Anlagevermögen der Bank verbucht sind und somit einen Bewertungswechsel zugelassen hätten, war richtig. Zwar haben wir im vergangenen Jahr nochmals 10,3 Mio. € an Wertkorrekturen vornehmen müssen, jedoch beläuft sich der Buchwert des Alternativen Kreditportfolios heute auf nur noch 30 Mio. €; Anfang 2007 lag er bei 198 Mio. €.
Durch ein straffes Management unserer Kosten konnten wir unsere Verwaltungsaufwendungen auf unter 97 Mio. € senken. Dies ist umso erfreulicher, als aufsichtsrechtlich induzierte Zusatzbelastungen einen Mehraufwand nach sich gezogen haben. Ende 2009 hatten wir unser Wachstumsprogramm „Winning 2012“ auf den Weg gebracht. Es sah vor, innerhalb von drei Jahren folgende Ziele zu erreichen:
- Eigenkapitalrentabilität vor Steuern 15-20 %
- Kosten-Ertrags-Relation 60-65 %
- Eigenmittelquote 10-12 %
- Verhältnis von Ausleihungen zu Einlagen < 1
Dabei wurden die Vorgaben unter der Prämisse keiner neuerlichen Marktverwerfungen, eines normalisierten Zinsniveaus, stabiler Bewertungen, insbesondere unserer verbrieften Kreditforderungen, im Vergleich zur Vorkrisenzeit erhöhter Margen sowie eines moderaten Wirtschaftswachstums gestellt.
Mit dem nun vorliegenden Abschluss haben wir bereits 2010 einen Großteil der Ziele erreicht. Mit Ausnahme der Eigenkapitalrentabilität, die sich auf 8,9 % beläuft, liegen alle Kennzahlen in den Zielkorridoren, obwohl die zugrunde liegenden Voraussetzungen nur teilweise erfüllt waren. An der Verbesserung der Eigenkapitalrendite werden wir weiter arbeiten, auch wenn der Zielkorridor durch die neuen Vorgaben nach Basel III perspektivisch zu relativieren ist.
Wir schlagen der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende in Höhe von 1 € je Aktie vor. Uns ist bewusst, dass das gute Ergebnis der Bank – zumal in unserem Jubiläumsjahr – eine höhere Ausschüttung gerechtfertigt hätte. Uns ist aber auch bewusst, dass wir zu Beginn der Finanzkrise Reserven aufgelöst hatten, um die auch für uns wichtige Dividendenkontinuität sicherzustellen. Diese Reserven gilt es nun wieder zu stärken. Je besser die Risikotragfähigkeit, desto robuster die Perspektiven für unsere NATIONAL-BANK. Die Tatsache, dass unsere Bank bereits heute die Kapitalanforderungen nach
Basel III erfüllt, unterstreicht die Richtigkeit unseres Vorgehens.
Wir sind zuversichtlich in das neue Geschäftsjahr gestartet. Trotz der noch nicht absehbaren Auswirkungen der Ereignisse in Japan, den zum Teil substantiellen Schwierigkeiten staatlicher und kommunaler Haushalte und einer Reihe allein kaum refinanzierungsfähiger Kreditinstitute verfügen wir über solide Grundlagen für unser auch zukünftiges Wachstum. Wir
werden unser Geschäft weiterhin zielgerichtet ausbauen. So gilt es im Asset Management, das Geschäft mit Institutionellen Kunden zu forcieren. Im Geschäft mit unseren Firmenkunden müssen wir unsere Beratungsleistungen und unsere Zahlungsverkehrslösungen optimieren. Und in der Risikosteuerung werden neue Prozesse unsere Kreditentscheidungen messbar beschleunigen. Dies sind nur einige Beispiele, denn wir haben noch viel vor.
90 Jahre Stabilität und Solidität sind für uns Anspruch und Verpflichtung zugleich. Wir werden auch zukünftig unsere Kunden umsichtig bedienen und gemeinsam mit ihnen wachsen. Nicht um jeden Preis, sondern mit Augenmaß. Unser konservatives Selbstverständnis wird auch zukünftig die Richtschnur unseres Handelns sein.
Gemeinsam mit Ihnen, unseren Eigentümern, wollen wir beherzt die Zukunft unserer Bank gestalten. Daher lade ich Sie – auch im Namen meiner Vorstandskollegen – schon heute gerne zu unserer Hauptversammlung am 17. Mai 2011 in die Philharmonie Essen ein und freue mich auf Ihr hoffentlich zahlreiches Kommen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr
Thomas A. Lange
Vorsitzender des Vorstandes
NATIONAL-BANK Aktiengesellschaft
Essen, den 11. März 2011

