Geschäftsbericht 2008/2009 / SinnerSchrader 2008/2009 / Brief an die Aktionäre

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Brief an die Aktionäre

 

Liebe Aktionäre,

fünfzehn Tage nach dem Beginn des SinnerSchrader-Geschäftsjahres 2008/2009 löste die Insolvenz des Bankhauses Lehman Brothers endgültig eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise in einem in den vorangegangenen 60 Jahren nicht gesehenen Ausmaß aus. In diesen Tagen der Berichterstattung über den Verlauf des Geschäftsjahres und die Lage zum Abschlussstichtag, dem 31. August 2009, mehren sich die Anzeichen, dass der Tiefpunkt der Krise durchschritten ist und dass die deutsche Wirtschaft, gestützt von staatlichen Konjunkturprogrammen, wieder wächst.

 

Dazwischen lag ein erfolgreiches SinnerSchrader-Geschäftsjahr 2008/2009, in dem unter dem Brennglas der schwierigen konjunkturellen Gesamtlage drei für SinnerSchrader wichtige Erwartungen bestätigt wurden.

 

Das Internet wird zum Leitmedium für Marketing und Vertrieb.

 

Die Bedeutung des Internets für den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen, die Gewinnung und Bindung von Kunden sowie den Aufbau und die Pflege von Marken und Image hat konjunkturunabhängig weiter zugenommen. Die Dynamik der Veränderung der Art und Weise, wie Konsumenten mit Marken und Unternehmen interagieren, und der Erwartungen, die Konsumenten gegenüber Anbietern von Produkten und Dienstleistungen entwickeln, ist unverändert hoch, sie hat möglicherweise krisenbedingt sogar zugenommen.

 

Ein Indiz dafür ist, dass nach Untersuchungen des Marktforschungsunternehmens GfK der Wert der Nonfood-Produkte, die über das Internet gekauft wurden, im Jahr 2008 gegen den Konsumtrend um mehr als 19 % angestiegen ist. Der E-Commerce-Umsatz mit Waren ist damit 2008 stärker gewachsen als in den drei Jahren zuvor. Für 2009 rechnet der Branchenverband des Deutschen Versandhandels mit einem weiteren Zuwachs des Warenumsatzes im Internet um 10 % bis 15 %. Die relative Bedeutung des Internets hat damit in der Konjunkturkrise deutlich zugenommen.

 

Diese Entwicklung ist in den verschiedensten Branchen als Motor von Veränderungen der Wettbewerbslandschaft erkennbar. Das Internet ist daher nicht mehr nur ein weiterer Kanal für Vertrieb, Marketing und Kommunikation unter anderen, sondern wird immer mehr zu dem Kanal, an dem sich die Vertriebs-, Marketing- und Kundenbindungsstrategie der Unternehmen ausrichten muss.

 

Die Investitionen der deutschen Unternehmen in die Weiterentwicklung ihrer Internetstrategie wurden daher durch den krisenbedingten Zwang zu Budgetkürzungen auch nur geringfügig in Mitleidenschaft gezogen und scheinen sich mit den ersten konjunkturellen Erholungszeichen bereits wieder zu beleben.

 

Die Interaktivagenturen werden die Gewinner des Wandels in der Agenturwelt sein.

 

Der kontinuierliche Bedeutungszuwachs des Internets im Konzert der verschiedenen Kommunikations- und Vertriebskanäle verändert gerade auch die Branche der Marketing- und Werbeagenturen selbst.

 

Während die gesamten Bruttowerbeausgaben in Deutschland im Zuge der Konjunkturkrise im ersten Halbjahr 2009 gegenüber dem Vorjahr sanken, stiegen die Ausgaben für Displaywerbung im Internet unterschiedlichen Quellen zufolge um 10 % bis 13 % an. In Deutschland liegt das Internet bei den Bruttowerbeausgaben damit hinter dem Fernsehen und den Zeitungen an dritter Stelle. In Großbritannien hat sich das Internet im ersten Halbjahr 2009 mit einem Anteil an den Bruttowerbeausgaben von 23,5 % bereits am Fernsehen vorbei auf den ersten Platz geschoben.

 

Damit gerät die Welt der klassischen Werbeagenturen, die vom Leitmedium Fernsehen und seinen Formaten her denkt, unter erheblichen Veränderungsdruck – ein Prozess der sich in der Krise spürbar beschleunigt hat. Die Interaktivagenturen, die seit ihrem Entstehen Mitte der 1990er-Jahre ihr Geschäft und ihre Arbeitsweise auf das Internet ausgerichtet haben, können immer häufiger ihre Stärken ausspielen: die Kenntnis des interaktiven Konsumenten und der internetspezifischen Anforderungen an eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kreation und Technologie.

 

SinnerSchrader ist im deutschen Agenturmarkt aussichtsreich positioniert.

 

SinnerSchrader hat sich im deutschen Markt für Interaktivdienstleistungen durch die organische Entwicklung von Kompetenzen und Kundenbeziehungen und die Übernahme der spot-media AG eine führende Position mit einem Schwerpunkt im Bereich E-Commerce erarbeitet. Durch zahlreiche erfolgreiche Projekte und die langjährige Begleitung von Kunden entstand darüber hinaus SinnerSchraders Ruf für Leistungsfähigkeit und Kundenorientierung – Qualitäten, die gerade in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld stabile und vertrauensvolle Bestandskundenbeziehungen und potenzialträchtige Neukundengewinne ermöglichen.

 

Dafür hat SinnerSchrader die durch den Börsengang vor zehn Jahren erhaltenen finanziellen Möglichkeiten gezielt genutzt, ohne sie zu überreizen. So verfügt SinnerSchrader über die finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit, um sich zusätzlich zur inhaltlichen Kompetenz bei großen deutschen Unternehmen als verlässlicher Partner für zukunftsweisende Aufgaben zu qualifizieren.

 

Diese Entwicklungen im Blick hielt SinnerSchrader zu Beginn des Geschäftsjahres trotz der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise eine Steigerung von Umsatz und operativem Ergebnis für möglich. Am Ende des Geschäftsjahres 2008/2009 standen ein Zuwachs des Brutto- und des Nettoumsatzes um jeweils rund 14 % auf 27,7 Mio. € bzw. 20,9 Mio. € sowie ein EBITA vor Vorleistungen in den Aufbau neuer Geschäftsfelder von 2,4 Mio. € und damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert um 0,1 Mio. € oder rund 6 % zu Buche.

 

SinnerSchrader hat sich im Berichtsjahr aber nicht mit der Entwicklung des angestammten Geschäftes begnügt. Getragen von der Überzeugung, dass die Konjunkturkrise jene Veränderungsprozesse beschleunigt, die die Position der Interaktivagenturen und die zukünftige Entwicklung von SinnerSchrader begünstigen, investierte SinnerSchrader in den Ausbau seines Leistungsportfolios.

 

Zum einen übernahm SinnerSchrader im Verlauf des Geschäftsjahres 2008/2009 die newtention-Gruppe. Diese hat mit der n7-Adservingsoftware eine Basistechnologie für die leistungs- und profilbezogene Auslieferung und Steuerung von Onlinewerbemitteln entwickelt und vertreibt diese Software seit dem Jahr 2008 über ein Software-as-a-Service-Modell. Mit der Akquisition ist SinnerSchrader im Hinblick auf den wachsenden Druck zur intelligenten Verwertung und zum intelligenten Einkauf von Werbeflächen im Internet unter Nutzung der medienspezifischen Möglichkeiten zur Messung und Auswertung von Daten im Rahmen des datenschutzrechtlich Erlaubten zu einem Partner in erster Linie für Werbungtreibende, aber auch für Mediaagenturen und Anbieter bzw. Vermarkter von Werbefläche geworden.

 

Zum anderen entwickelte SinnerSchrader im Geschäftsjahr organisch ein E-Commerce-Outsourcing-Angebot, gründete für die Umsetzung des Geschäftskonzepts die next commerce GmbH und gewann für das Konzept einen ersten Kunden. Das Leistungsangebot der next commerce GmbH umfasst Aufbau und Weiterentwicklung eines E-Shops, Shopmanagement, technischen Betrieb, Vermarktung, Logistik und Fulfillment sowie Kundenbetreuung und Zahlungsabwicklung auf der Basis einer mehrjährigen, in der Regel fünfjährigen Zusammenarbeit und gegen eine Beteiligung an dem über den Shop generierten Umsatz. Auf der Basis seines dreizehnjährigen Know-hows aus zahlreichen E-Shop-Projekten ist SinnerSchrader mit diesem Angebot bereit, mehr Verantwortung für den Erfolg eines Onlineshops zu übernehmen, in der Erwartung, an wachsenden E-Commerce-Umsätzen zu partizipieren.

 

Der Ausbau des Leistungsportfolios hat das Geschäftsjahr 2008/2009 mit Kosten von rd. 1,0 Mio. € belastet. Das in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesene EBITA betrug somit 1,4 Mio. € – rund 0,9 Mio. € weniger als das Vorjahresergebnis von 2,3 Mio. €. Das auf die SinnerSchrader-Aktionäre entfallende Konzernergebnis ging aufgrund der Aufbaukosten für die neuen Geschäftsfelder ebenfalls zurück und erreichte 1,2 Mio. € oder knapp 0,11 € je Aktie nach 1,6 Mio. € bzw. 0,14 € je Aktie im Vorjahr.

 

Der Aufbau der neuen Geschäftsfelder wird Zeit benötigen, sodass sich aus ihnen für das mittlerweile angelaufene Geschäftsjahr 2009/2010 noch keine positiven Ergebnisbeiträge erwarten lassen. Wir sehen in diesen Geschäftsfeldern aber wichtige Bausteine für die zukünftige Entwicklung von Umsatz und Ergebnis der SinnerSchrader-Gruppe.

 

Angesichts überwiegend positiver Signale aus dem Markt rechnen wir trotz des Anlaufs in den neuen Geschäftsfeldern und des Fortbestehens einer vergleichsweise hohen konjunkturellen Unsicherheit aber mit einem stärkeren Wachstum des Nettoumsatzes als im Geschäftsjahr 2008/2009 und mit einer überproportionalen Steigerung des in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen EBITA.

 

Aufgrund dieser positiven Erwartungen halten wir daran fest, Sie wie in den beiden Vorjahren mit einem hohen Anteil an den im abgeschlossenen Geschäftsjahr erzielten Ergebnissen zu beteiligen, und werden zusammen mit dem Aufsichtsrat der am 16. Dezember 2009 stattfindenden Hauptversammlung eine Dividende von 0,08 € je Aktie vorschlagen.

 

Zehn Jahre nach dem Börsengang SinnerSchraders im November 1999 ist das interaktive Zeitalter in Marketing und Vertrieb Wirklichkeit geworden. SinnerSchrader sieht sich auf gutem Weg, eine der führenden deutschen Agenturgruppen dieser Zeit zu werden.

 

Hamburg, 4. November 2009

 

Der Vorstand

 

 

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